5. Mai 2017

Blütenhonig

Honig ist süß, in Maßen gesund und sein „Rezept“ wurde seit tausenden von Jahren nie verändert. Abgesehen davon, ist Honig nicht gleich Honig. Im Speziellen vom Blütenhonig gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Sorten. Doch was genau ist Blütenhonig und was macht ihn aus? Welche Sorten gibt es und wie entstehen diese?

Was ist Blütenhonig?

Als Blütenhonig werden allgemein alle Honigsorten bezeichnet, die zum überwiegenden Teil aus dem Nektar eine Blüte gewonnen wurden. Mit anderen Worten: wenn Bienen Pflanzennektar sammeln und diesen zu Honig umwandeln, entsteht Blütenhonig. Dazu zählen weltweit unzählige Sorten, die sich je nach Art des von den Bienen gesammelten Pflanzennektars sehr voneinander unterscheiden. >> Zur Übersicht der Blütenhonigsorten

Blütenhonig steht nun im Gegensatz zu den Honigen, die aus Honigtau bestehen (Beispiel: Wald- oder Tannenhonig). Für diese Art des Honigs entnehmen die Bienen den Pflanzenläusen ein süßes Sekret und wandeln dieses in Honigtau um.

Die meisten Sorten, die im Supermarkt oder beim Imker erhältlich sind, zählen in der Regel zu den Blütenhonigen. Oft werden dabei Varianten wie der Rapshonig, Akazienhonig oder die Frühblüte angeboten (Sortenhonige). Besteht ein Honig aus dem Nektar vieler verschiedener Blüten, so nennt man diesen auch „Vielblütenhonig“.

Blütenhonig = allgemeine Bezeichnung für Honig aus Blütennektar
Vielblütenhonig = Honig aus vielen verschiedenen Nektarsorten
Wald-/Tannenhonig = besteht größtenteils aus Honigtau (Sekret von Blattläusen)

Was ist ein Sortenhonig?

Ein Sortenhonig entsteht, wenn eine bestimmte Trachtpflanze in der Umgebung der Bienen besonders häufig vorkommt und von diesen als sehr ertragreich empfunden wird. Stellt man ein Bienenvolk also direkt neben ein blühendes Rapsfeld, so kann der Imker mit einer gewissen Sicherheit davon ausgehen, dass die Bienen die Rapsblüten am häufigsten anfliegen werden und somit den uns bekannten Rapshonig als eine Sorte des Blütenhonigs produzieren.

Hinzukommt, dass Bienen „blütenstet“ sind. Das bedeutet, wenn eine geeignete Pflanze/Trachtquelle in ausreichender Menge gefunden wurde, so werden die Bienen dieselbe Pflanzenart erneut anfliegen bis diese Nahrungsquelle zur Neige gegangen oder die Blütezeit vorüber ist.

Gibt es keine bestimmte Trachtpflanze in der Nähe der Beuten, werden die Bienen ihren Nektar dann von einer Vielzahl verschiedener Blüten sammeln. Oft wird dieser Honig auch pauschal als Blütenhonig bezeichnet. Da es sich aber bei einem Honig, der aus verschiedenen Nektarquellen gewonnen wurde, streng genommen um einen Vielblütenhonig handelt, ist diese Bezeichnung nicht ganz korrekt. Diesem kleinen aber feinen Unterschied sollte man sich beim Lesen meiner Seite und beim Kauf eines Honigs stets bewusst sein.

Merke auch:

Honigtau = süßes Sekret/Ausscheidung von Pflanzenläusen
Beute = Behausung der Bienen / Bienenstock
Trachtpflanze = eine nektarspendende Pflanze (z.B. Raps)
Blütenstet = eine Biene fliegt, wenn möglich, immer zur gleichen Pflanzenart

Welche Sorten Blütenhonig gibt es?

>>>Zur detaillierten Übersicht der einzelnen Sorten

Da wir nun wissen, was ein Blütenhonig ist und dass es unterschiedliche Variationen gibt, kommen wir nun zum spannenden Teil: den einzelnen Sorten. Bevor ich angefangen habe, mich mit der Imkerei zu beschäftigen, waren mir lediglich die Sorten bekannt, die man in den Regalen der Märkte findet oder häufig von Imkern angeboten werden. Setzt man sich allerdings intensiver mit den einzelnen Trachtpflanzen und Sorten auseinander, so wird einem bewusst, wie breit das Spektrum an Blütenhonigen eigentlich ist.

Allein bei den „heimischen“ Sorten des Blütenhonigs gibt es unzählige Varianten: angefangen bei bekannten Honigen wie dem Rapshonig, über den Gebirgsblütenhonig, bis hin zu Raritäten wie dem Calluna. Besonders interessant wird es auch, wenn man sich die Bandbreite an ausländischen Honigen anschaut. Einige von diesen (speziell die neuseeländischen Sorten) genießen gar den Ruf sich besonders gut auf die Gesundheit auszuwirken. Allen voran steht dabei der Manuka-Honig. Allerdings gibt es auch weniger bekannte Sorten wie den Leatherwood-Honig (Australien), den Moltebeerhonig (Skandinavien) oder den Thymianhonig (Mittelmeerregion), die neben dem gesundheitlichen Aspekt auch einen sehr interessanten Geschmack besitzen. Die Auswahl scheint dabei unbegrenzt. Ich hoffe, dass meine Übersicht dabei helfen kann, sich in der Welt der Blütenhonige zurechtzufinden.

>>> Alle Sorten im Detail

Wie entstehen die Sorten des Blütenhonigs und wie unterscheidet man diese?

Wie nun bekannt, entstehen die Sorten eines Blütenhonigs dadurch, dass ein Bienenvolk eine bestimmte Trachtpflanze besonders häufig anfliegt. Eine grobe Richtlinie liegt dabei bei 60% des jeweiligen Pflanzenanteils im Blütenhonig. Selbst wenn ein Bienenvolk direkt neben einem Robinienhain steht (und Bienen wie wir wissen blütenstet sind), so ist dies noch keine 100%ige Garantie, dass am Ende auch der jeweilige Blütenhonig entsteht. Die Bienen könnten auch entscheiden, dass eine andere (vielleicht nicht offensichtliche) Nektarquelle noch attraktiver ist, als diejenige vom Imker vorgegeben. Sollen unterschiedliche Sorten von Blütenhonig gewonnen werden, so muss der Imker mit seinen Völkern nach der Blütezeit der jeweiligen Pflanze umziehen und die Bienenvölker an einem anderen Ort mit neuem Nahrungsangebot platzieren.

Um nach der Ernte zu prüfen ob, die gewünschte Sorte Blütenhonig entstanden ist, so kann dies vom Laien nur anhand von Farbe, Geruch, Geschmack und Konsistenz überprüft werden. Ein Kleehonig beispielsweise ist weißlich-gelb, schwach-aromatisch, mild-süß und kristallin. Die letzte Sicherheit bringt allerdings nur ein Labortest, bei dem dann folgende Eigenschaften auf das Genaueste überprüft werden:

  • Geschmack
  • Farbe
  • Geruch
  • Konsistenz
  • Elektrische Leitfähigkeit
  • Zucker- und Pollenspektrum

Mittels des Pollenspektrums kann sogar festgestellt werden, in welcher Region der Blütenhonig gesammelt wurde. Dies ist möglich, da bereits im Blütennektar Spuren von Pollen vorhanden sind, die sich mikroskopisch voneinander unterscheiden und somit wie ein Fingerabdruck der jeweiligen Gattung gehandelt werden.

Welche Inhaltsstoffe besitzt Blütenhonig?

Der vorgestellte Prozess des Sammelns und Anreicherns ist für die Qualität des Blütenhonigs entscheidend. Honig besitzt über 200 Inhaltsstoffe wie Enzyme, Frucht- und Traubenzucker, Wasser, Vitamine, Pollen, Aminosäuren oder Proteine. Diese individuelle Zusammensetzung macht jede einzelne Sorte in Geschmack und Konsistenz einzigartig. So ist das Verhältnis von Frucht- und Traubenzucker verantwortlich für die Konsistenz und entscheidet, ob das Produkt lange flüssig bleibt oder schnell auskristallisiert.

In der Regel besteht Blütenhonig zu ca. 75% aus den verschiedenen Zuckerarten und bis zu 20% Wasser. Der Rest besteht aus den bereits erwähnten Bestandteilen. Für diejenigen, die auch auf ihre Figur achten wollen, ist es vielleicht wichtig zu wissen, dass der Energiegehalt bei ca. 320 kcal pro 100 Gramm liegt.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Überblick:

  • Zucker in Form von Fructose, Glucose, Maltose etc.
  • Wasser
  • Enzyme
  • Aminosäuren
  • Mineralstoffe (Kalzium, Kalium, Natrium, etc.)
  • Spurenelemente (Eisen, Zink, Kupfer)
  • Vitamine (vorrangig Vitamin C in geringen Mengen)
  • Organische Säuren (Glucon-, Zitronen-, Ameisensäure)
  • Natürliche Aromen und Farbstoffe
  • Pollen

Ist Blütenhonig gesund?

Kurze Antwort: ja (in vertretbaren Mengen)

Allein anhand der Inhaltsstoffe wird deutlich, dass es sich bei Blütenhonig um ein natürliches und gesundes Produkt handelt. Laut Überlieferung verdanken beispielsweise die Götter der griechischen Mythologie ihre Unsterblichkeit (Sie ahnen es bereits) dem Honig. Damit aber nicht genug: Die Ärzte der Antike, allen voran Hippokrates, waren sich bereits der fiebersenkenden Wirkung des goldenen Saftes bewusst und selbst Verletzungen wurde damit behandelt. Heutzutage wird Honig vor allem als Hausmittel oder in der alternativen Medizin bei Magen-Darmproblemen, Hauterkrankungen oder zur Linderung von Erkältungen eingesetzt.

Mehr zu den positiven Eigenschaften des Honigs auf die Gesundheit gibt es hier >>

Auf der Gegenseite führen Kritiker gerne an, dass Honig viel Zucker und somit auch viel Kalorien enthält. Objektiv gesehen ist Blütenhonig allerdings auf Grund seiner Inhaltsstoffe ein erstklassiges Süßungsmittel für viele Speisen und sollte vor allem dem industriellen Zucker vorgezogen werden. Auch die tägliche Scheibe Brot mit Honig stellt keine größere Gefahr dar als ein Toast mit Marmelade. Besonders im Vergleich zu anderen Süßspeisen muss sich Honig auf gar keinen Fall verstecken.

Wie stellt man Blütenhonig her bzw. wie entsteht er?

Zunächst muss gesagt werden, dass das Wort „herstellen“ nicht ganz korrekt gewählt ist. Es lässt vermuten, dass der Mensch echten Blütenhonig auch alleine herstellen kann. Das flüssige Gold wird jedoch von den Bienen selbst produziert und der Imker „tauscht“ dann einen gewissen Teil des Erzeugnisses gegen eine vergleichbare Nahrung für Bienen (zum Beispiel eine Zucker-Wasser Lösung). Im Falle einer Bioimkerei wird jedoch strengstens darauf geachtet, dass den Bienen nicht all ihr Honig genommen wird und immer ausreichend selbst produzierte Nahrung vorhanden ist. Die einzelnen Schritte der Honiggewinnung lassen sie nun wie folgt aufgliedern:

  1. Am Anfang der Honiggewinnung fliegt eine Biene zunächst eine Nektarquelle an und entnimmt der Blüte das süße Sekret. Sie fliegt damit zurück zum Bienenstock und reichert den Nektar mit Enzymen an – sie verwandelt also den Nektar in Blütenhonig und lagert diesen als Nahrungsvorrat in den Waben ein.
  2. Die Enzymanreicherung geschieht dabei über einen Prozess des Filterns und der Reinigung. Der gesammelte Nektar/Honig wird innerhalb des Bienenstocks mehrmals von Biene zu Biene weitergereicht und jedes Mal ein wenig mehr angereichert. Auch wird der Blütenhonig nochmals von Wabe zu Wabe verlagert und erfährt dabei erneut eine Filtration. Im Speziellen geschieht folgendes:
  • Der Wasseranteil im Blütenhonig wird reduziert
  • Enzyme werden hinzugefügt
  • Dadurch Veränderung der Zusammensetzung des Nektars
  1. Nun kommt der Imker ins Spiel: Wenn fast alle Waben gedeckelt, also geschlossen sind, ist es an der Zeit den Blütenhonig zu ernten. Der Imker entnimmt die Waben aus dem Bienenstock und entfernt die Schutzschicht (Wabendeckel) mit einer Entdeckelungsgabel und positioniert die Waben in einer Honigschleuder. Auf Grund der Fliehkräfte, die in der Schleuder wirken, wird der Honig dann gegen die Außenwände gedrückt.
  2. Nach dem Prozess wird der Blütenhonig gesiebt, geklärt, gerührt und anschließend abgefüllt.

Was sollte man bei dem Kauf von Blütenhonig beachten?

  1. Zunächst muss klar gesagt werden: Allergiker sollten sich vor dem Verzehr von Blütenhonig darüber bewusst werden, dass dieser ggf. Bestandteile enthalten könnte, auf die eine allergische Reaktion erfolgen kann (Beispiel Pollen).
  2. Kinder unter 12 Monaten sollten keinen Honig zu sich nehmen, denn dieser ist eine Rohkost und daher nicht geeignet. Keime könnten eine Lebensmittelvergiftung verursachen!
  3. Wenn entschieden wurde, die Wundheilungseigenschaft von Honig auszuprobieren, sollte kein Speise-, sondern nur Wundhonig verwendet werden. Dieser wurde extra dafür hergestellt und ist als Medizin zugelassen.
  4. Kaufen Sie den „richtigen“ Blütenhonig.

Ernährungswissenschaftler und auch Verbraucherzentralen empfehlen, nicht auf den billigen Honig aus dem Supermarkt zurückzugreifen. Der geringe Preis des Honigs wurde natürlich zuvor an anderer Stelle möglich gemacht. Bei vielen im Supermarkt angebotenen Blütenhonigen handelt es sich um Massenproduktionen. Dabei werden die Bienen nicht artgerecht gehalten oder sammeln ihren Nektar in Gebieten, in denen chemische Stoffe zum Einsatz kommen oder genmanipulierte Pflanzen gezüchtet werden.

Persönlich fällt mir dazu die Dokumentation „More than Honey“ ein, in der gezeigt wird, wie auf kalifornischen Mandelbaumplantagen die Bäume gespritzt werden und der vergiftete Blütennektar dann von den hunderten dort platzierten Bienenvölkern eingesammelt wird. Die Bestandteile der Chemikalien landen dann am Ende auch in unserem Glas Blütenhonig.

Auch wird importierter Blütenhonig oft stark erhitzt und verliert dabei viele seiner wichtigen Inhaltsstoffe. Ich selbst hatte in der Vergangenheit oft Schwierigkeiten im Supermarkt einen guten Honig zu finden. Der Grund: auf vielen Etiketten steht „Honig aus EG und nicht EG Ländern“, was soviel bedeutet wie „importiert aus aller Welt“. Findet man allerdings im Regal einen „echten deutschen Honig“ so ist dieser oft teurer, als sein billiges Pendant aus dem Ausland. Zu Recht wie ich finde, aber für viele preisbewusste Menschen dennoch sehr teuer.

Für mich hat es sich dann immer oft gelohnt, beim örtlichen Imker oder auf lokalen Märkten den Honig zu kaufen. Ich kann jedem nur empfehlen, der auf ein gutes Produkt viel Wert legt, den Supermarkt zu vermeiden und stattdessen direkt vom Imker zu kaufen. Oft bekommt man sogar regional erzeugten Bio-Honig zu demselben Preis wie das ausländisch erzeugte Produkt aus dem Supermarkt. Vermeiden Sie also diese Orte und wenden Sie sich direkt an einen Imker Ihrer Wahl. Es lohnt sich sowohl vom Preis, als auch von der Qualität! Als zweite Option nach den örtlichen Imkern bietet sich für mich das Internet an, wenn man nach einem ganz besonderen Blütenhonig sucht. Viele deutschen Produzenten bieten seltene Sorten zu guter Qualität. Allerdings sind solche besonderen Honige nicht immer günstig.

Und vergessen Sie bitte nie: billige Ware im Regal hatte zuvor immer ihren Preis. Diesen haben zuvor entweder die Bienen oder Arbeiter in anderen Ländern bezahlt oder wir zahlen am Ende selbst mit unserer Gesundheit.

Fazit: Wer auf Preis-Leistung viel Wert legt ist bei einem Imker in der Nähe am besten beraten. Leute, die etwas besonderes möchten, sei es als Geschenk oder für sich selbst, schauen sich am besten online um.

Wenn ihr leckeren Honig aus meiner Heimat dem Havelland kostet wollt, kann ich folgenden Blütenhonig empfehlen:

Was stellen Bienen außer Blütenhonig noch her?

Nachdem man jetzt viel über Blütenhonig erfahren hat, interessiert es vielleicht, was Bienen noch herstellen bzw. welche Arbeiten parallel verrichtet werden:

  • sie sammeln Pollen
  • sie produzieren Propolis
  • sie stellen Bienenwachs her
  • sie bilden Bienengift

All diese Stoffe und Produkte der Bienen können und werden natürlich auch vom Menschen genutzt. Man ist überrascht, wie viele gute Dinge wir zusätzlich zum Blütenhonig von den Bienen bekommen und für was man diese nutzen kann:

  • Bienenwachskerzen
  • Kosmetik (Honigcremes, -salben und -seifen)
  • leckeren Met
  • Nahrungsergänzung mit Propolis und Pollen
  • Bienengift gegen körperliche leiden wie Rheuma, Hexenschuss, Sportverletzungen

Man sieht, Blütenhonig ist nicht nur als Nahrungsmittel interessant, sondern kann auch Linderung bei gesundheitlichen Leiden schaffen. Die Nebenprodukte der Bienen und den Blütenhonig selbst kann man dann auch zu einer Vielzahl von anderen Produkten weiterverarbeiten und nutzen.

Abschließend wünsche ich nun allen Freunden des Blütenhonigs noch viel Spaß beim weiteren Lesen!

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